Die Rocksau meldet sich zurück

Wenn jemand in meiner Reichweite ein neues Album gekauft hat, das mich auch interessiert, nutze ich meistens sofort die Gelegenheit und ziehe es mir auf meinen Laptop. So auch mit Lenny Kravitz’ neuestem Werk „It is Time for a Love Revolution“.

Ja, die Rocksau meldet sich zurück. Herr Kravitz, einer der wenigen noch vorhandenen Rock’n'Roll-Gutmenschen, hat mal wieder ein Album erschaffen, das sich sowohl musikalisch als auch textlich sehen lassen kann.

Los geht’s mit der (fast) gleichnamigen Nummer „Love Revolution“, welche den Hörer sofort in den guten alten, verratzten und typischen Lennysound hineinkatapultiert. Ist man einmal drin, kommt man nicht mehr so schnell raus. Diese Platte ist ein ungestüm stampfendes, launisches, für gute Laune sorgendes und gleichzeit recht nachdenklich machendes Mahlwerk aus den unterschiedlichsten Ecken des Rock und doch unverkennbar Lenny.

„This love will never leave you, this love will never let you go“ singt der Mann aus New York und legt im ersten Song auch schon ein fetziges und leicht psychedelisches Solo hin, dem viele weitere, ganz in alter Rockmanier, folgen.

Mit „Bring it on“ kramt er in der Bluesrockschublade und vereint diese mit einem sehr eingängigen Refrain, bevor er zu einem lässigen „Good Morning“-Gruß überleitet und dort mit den unterschiedlichsten Akkordfolgen und auch ein paar Streichern im Hintergrund experimentiert.

Nummer Vier, „Love Love Love“, ist nicht, wie man bei diesem Titel annehmen könnte, eine zu Herzen rührende, langsame Liebesschnulze, sondern ein „straight forward“-antreibendes Stück mit schnellen, p-funkig anmutenden Gitarrenriffs, welche mich leider sehr stark an „Get On Top“ von Red Hot Chili Peppers erinnern. (Probiert es aus! Singt es darüber! *g*)

Das folgende „If You Want It“ beginnt zunächst langsam und ohne viel musikalischen Schnickschnack zu Kravitz’ Stimme, ehe es im Refrain zu einer groovigen Ein-Mann-Weisheiten-Show wird und verkündet: „You can change your world today.“ Der gute, alte Weltverbesserer.

Ruhig weiter geht es mit dem bereits veröffentlichten „I’ll Be Waiting“. Die hoffnungslos romantische Schmusenummer ist nicht das einzige wirklich ruhige Stück auf der Platte, jedoch sehr vorteilhaft mit Pianoklängen untermalt.
Sollte jemand dank dieses Lieds seine Zukünftige finden, kann er ihr auch schon mit dem darauffolgenden Song „Will You Marry Me“ einen etwas ungewöhnlicheren Heiratsantrag machen. Aber Vorsicht – nicht jeder Frau gefällt ein derartig rockfunkiger Overdrive-Antrag. Im Zweifelsfall doch lieber die Standardnummer mit dem Verlobungsring durchziehen. ; )

Fällt die Hochzeit schließlich doch ins Wasser (aus welchem Grund auch immer), kann sich der Verlassene immer noch mit „I Love the Rain“ trösten. Abermals eine ruhige Nummer mit schönen akustischen Gitarren und einem eingängigen, kurzen Refrain lässt den Hörer beinahe zusammen mit Herrn Kravitz im Regen stehen, besonders, wenn er kurz vor dem obligatorischen Solo aus schmerzender Kehle „Uuuh“ singt.

Noch schmerzlicher wird es bei der nächsten Nummer, „A long and sad Goodbye“, in der Lenny anklagend das Weggehen seines Vaters besingt und natürlich auch hier ein äußerst dramatisches Solo einbringt, das dem Ganzen die Trauerkrone aufsetzt. Oh Papa.

Genug vom Trauerzug – gute Laune bekommt der Hörer bei der funkigen Nummer 10, „Dancin’ Til Dawn“, welche zumindest mich musikalisch ein wenig an die Rolling Stones erinnert.

Nachdenklich wird es dann bei „This Moment is all there is“, welches mit seinen akzentuierten Gitarrenklängen an einen Tag am Strand erinnert.
„A New Door“ ist noch eine Spur ruhiger und ebenfalls untermalt mit Klavierklängen. Man merkt deutlich, wie das Album seinem Ende zugeht. Hier zieht Herr Kravitz den Hörer mit einem sehr schönen Refrain noch ein Stück weiter in seine Materie.
Doch bevor es zu schmalzig wird, erklingen auch schon in „Back in Vietnam“ E-Gitarren-Riffs, und Kravitz’ Stimme wird wieder kratziger. Nomen est Omen.

Den Abschluss des 14stöckigen Musikhochhauses macht „I Want to go Home“, was im Hörer mit fast schon britrockigen Klängen und der sehnsüchtigen Stimme des Interpreten denselben Wunsch erwecken lässt. Mit essentiellen Fragen über das Leben entlässt Lenny Kravitz den Musikliebhaber sanft wieder in die Außenwelt.

Vielen Dank für diese musikalische, vielfältige Reise!

~ von Mondkatz am Mai 21, 2008.

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