Nickelback – If Everyone Cared; oder: Warum zum Teufel macht die an einem Freitagabend so was?!
Über Nickelback kann man sich streiten – die einen finden sie gut, die anderen schlecht. Die Meinungen gehen auseinander, doch eines kann man nicht leugnen: Chad Kroegers markante Stimme verleiht jedem Nickelback-Song einen obligatorischen Wiedererkennungswert.
Heute soll hier „If Everyone Cared“ analysiert werden. Ja, ihr habt richtig gelesen. Ich möchte den Liedtext (den ich aus Copyright-Gründen nur teilweise abbilde) an lyrischen Stilmitteln festmachen.
Dabei liegt mein Fokus auf dem Chorus.
Fangen wir doch gleich einmal mit ihm an. Hier der Text:
If everyone cared and nobody cried
If everyone loved and nobody lied
If everyone shared and swallowed their pride
Then we’d see the day when nobody died
© Nickelback 2006
An der äußeren Form fällt gleich auf, dass drei von vier Zeilen mit „If everyone“ anfangen, also anaphorisch sind. Der vierte Vers fällt hier aus dem Rahmen, doch mit dem beschäftige ich mich weiter unten.
Sehen wir uns die erste Zeile an. Mir selbst fällt hier auf, dass mit „cared“ und „cried“ eine Alliteration vorliegt. Die zweite und dritte Zeile im selben Blickwinkel betrachtet sieht man, dass dies dort ebenfalls der Fall ist: „love“ und „lied“ in der zweiten, „shared“ und „swallowed (their pride)“ in der dritten, wobei man hier von den geschriebenen Buchstaben und nicht den phonetischen Äußerungen ausgehen muss.
Sogar im vierten Vers taucht wieder eine Alliteration auf: „day“ und „died“.
Verblüffend? Auf jeden Fall.
Gehen wir jetzt zum Reimschema über.
Da sich „cried“ auf die Endworte aller anderen Verse reimt, liegt hier ein sogenannter Haufenreim vor: cried – lied – pride – died. Bis auf „pride“ sogar alle ab dem letzten Vokal (oder besser Diphthong) gleich geschrieben.
Jedoch reimen sich in diesem Vierzeiler nicht nur die letzten Wörter eines jeden Verses (übrigens durchgehend stumpfe Kadenzen) aufeinander, sondern auch „cared“ in der ersten Zeile mit „shared“ in der dritten.
Ein Wort noch zum vierten Vers (ha, jetzt hab ich selbst eine Alliteration geschafft ^^):
Geht man davon aus, dass Zeile eins bis drei eine Art Aufzählung darstellen, so kann man den Übergang von Vers drei zu Vers vier als Enjambement bezeichnen.
So heißt der Fachbegriff für einen Satz, der über das Zeilenende hinaus in den nächsten Vers geht. Wobei dieses Enjambement wohl nicht allzu stark ist, da ich rein gefühlsmäßig hinter „pride“ noch ein Komma setzen würde. Aber das ist jetzt Haarspalterei.
Ich hoffe, ich habe euch nicht allzu sehr mit meiner verrückten Freitagabendbeschäftigung gelangweilt. Allerdings wollte ich einfach einmal zeigen, wie man scheinbar so „nutzlose“ Dinge, die man in der Schule lernt, auf erfrischende Weise anwenden kann.
Meiner Meinung nach ein sehr gelungenes Stück Liedtext!

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